Interview zur solutions: und #RebootGermany

Ein Interview mit Patrick Postel

Patrick Postel
Geschäftsführung Silpion

„Wir tauschen uns aus und gucken gemeinsam in die Zukunft. Was haben wir gelernt? Was hätten wir besser machen können? Was ist unsere Antwort auf eine Welt, die nach Corona anders aussieht als vorher? Das muss jede Firma nun tun. Nur dann steigere ich die Wahrscheinlichkeit, am Markt zu bleiben. Die Message der #RebootGermany ist ganz klar: Es gibt positive Geschichten, neue Chancen und Möglichkeiten.“

TEIL 1

Die solutions: ist in den vergangenen Jahren zu einem der relevantesten Kongresse zum Thema Digitalisierung in Deutschland geworden. Nun ist in die Vorbereitung des Events vom 2. Bis 4. September 2020 die Corona-Pandemie geplatzt. Ihr geht nun nicht den Weg der Absage. Im Gegenteil: Ihr habt euer Konzept überarbeitet und haltet an der Veranstaltung fest. Warum?

Patrick: Wir haben entschieden, dass “Dienst nach Vorschrift” falsch ist. Damit meine ich: Einfach nur die solutions: nehmen und anpassen an Hygienevorgaben: Das wäre zu wenig. Im Gegenteil: Wir müssen neu denken. Welche Chancen bringen auch die Einschränkungen mit sich? Und da gibt es durchaus einige. Etwa, dass der Austausch in kleinen Gruppen, aber auf hohem Niveau, durch Vertrautheit und Offenheit eine besondere Qualität hat.

Wie haben eure Partner – die solutions: war schon immer eine Veranstaltung, die von den Teilnehmenden inhaltlich stark mitgestaltet wurde – darauf reagiert?

Patrick: Natürlich ist das auch für die Partner eine neue Situation und jeder reagiert anders darauf. Aber es sind viele überzeugt von dem Konzept und davon, dass es aktuell nicht hilft, den Kopf in den Sand und sich zu ver- stecken. Wichtig ist, dass auch den Partnern bewusst ist, dass das Konzept in diesem Jahr natürlich ein besonderes ist. Und das ist an vielen Stellen auch ein Vorteil.

Wie sieht dieser Vorteil aus?

Patrick: Wir brauchen Spezialisten, die sich in einer kleinen Gruppe effizient und vertraulich austauschen können. Bei uns kann jeder das Visier herunterklappen und ehrlich mit Machern sprechen, die die gleichen Fragen haben. Das klappt in einem rein virtuellen Format nicht. Hier geht es um Offenheit und Vertraulichkeit zugleich. Und das leistet das Konzept der solutions: 2020.

Und das ist für Partner und Teilnehmer ein Plus?

Patrick: Das, was die Teilnehmer glücklich macht, liegt ziemlich nahe an dem, was die Partner glücklich macht. Ein Kleinformat ist auch für größere Partner sehr schnell und vergleichsweise einfach umzusetzen. Ich kann als Partner eine Kostprobe meines Wissens geben, die direkte Reaktion bekommen und einfach sehr inspirativ arbeiten. Jeder, dem ich das erzählt habe, findet das bisher gut.

Werden wir inhaltlich: Die solutions: hat schon immer diejenigen zusammengebracht, die sozusagen im Maschinenraum der Digitalisierung arbeiten. Wie wirkt sich die globale Pandemie auf Digitalisierungsthemen aus?

Patrick: Grundsätzlich wurde die Digitalisierung gerade um einige Jahre beschleunigt. Alles, was wir in den letzten Jahren auch schon gemacht haben, hat in den vergangenen Monaten einen neuen Drive, eine nochmals gesteigerte Relevanz bekommen. Das Thema ist jetzt wichtiger als je zuvor – da sind wir uns, denke ich, einig.

Wir müssen es aber schaffen, aus dem Krisenmodus zu kommen. Der Trick ist, dass wir uns nicht volljammern wollen, dafür kommen wir nicht zusammen. Wir wollen uns schon erzählen, wo wir etwas ohne Erfolg versucht haben – um den anderen davor zu bewahren, den gleichen Versuch zu wagen. Oder zumindest darauf hinzuweisen. Es geht darum, dass wir uns ehrlich in die Augen schauen und gucken, was wir in Zukunft tun müssen, um gewissermaßen “unschlagbar” zu werden. Wie bauen wir eine Wirtschaft aus Unternehmen auf, die robust und agil genug sind, mit solchen komplexen Krisensituationen umzugehen?

Aber jedes Unternehmen hat doch teilweise sehr individuelle Herausforderungen, wie geht das?

Patrick: Ja, jedes Unternehmen ist einzigartig. Allein durch Branchenzugehörigkeit, Größe, Organisation und so weiter. Dennoch: Es geht ums gegenseitige Lernen aus den Fehlern. Das bringt uns alle voran. Dadurch sind wir, auch als Gesamtwirtschaft, schneller. Es geht darum, wie wir alle widerstandsfähiger werden können.

TEIL 2

Wie passen #RebootGermany und solutions: zusammen?

Patrick: Wir wollen nach vorne blicken, gemeinsam. Die Situation wird sich ja auch wahrscheinlich nicht unbedingt so schnell bessern, was die reine, weltweite Pandemie angeht. Also müssen wir sehen, wie wir damit umgehen und wie wir uns und andere ermächtigen können, sich auch in dieser Zeit positiv weiter zu entwickeln – oder weiter zu bestehen.

Wir tauschen uns aus und gucken gemeinsam in die Zukunft. Was haben wir gelernt? Was hätten wir besser machen können? Was ist unsere Antwort auf eine Welt, die nach Corona anders aussieht als vorher? Das muss jede Firma nun tun. Nur dann steigere ich die Wahrscheinlichkeit, am Markt zu bleiben. Die Message der #RebootGermany ist ganz klar: Es gibt positive Geschichten, neue Chancen und Möglichkeiten.

Brauchen wir denn eine Krise, um Veränderung auch wirklich konkret anzugehen?

Patrick: Ich glaube, es gibt viele Trigger für Veränderung. Und das war diese Krise nicht, denn die Digitalisierung war vorher schon auf dem Vormarsch. Covid ist eher ein Brandbeschleuniger – auf den ich natürlich auch lieber verzichtet hätte. Das Virus ist eine nachhaltige, negative Beeinflussung unser aller Leben. Ich habe aber die Möglichkeit zu entscheiden, wie ich damit umgehen möchte, zumindest in einem gewissen Handlungsrahmen. Wenn ich meine ganze Aufmerksamkeit auf das Negative richte, verstärkt sich dieser Teil zwangsläufig. Und da haben wir uns dagegen entschieden.

Was ist denn das Ziel der Initiative RebootGermany?

Patrick: Eine Rezession der Wirtschaft ist durch Corona bereits eingetreten. Was uns jetzt aber nicht passieren darf ist, dass daraus eine Depression wird. Wie der Name Depression schon andeutet: Viel passiert in den Köpfen der Menschen. Wir wollen mit #RebootGermany ein Zeichen setzen: Lasst uns die positiven Nachrichten und Chancen – die es durchaus gibt – vermehrt in den Fokus stellen.

Und wie genau soll das passieren?

Patrick: Wir schaffen dafür einen Raum. Umso mehr Menschen sich beteiligen, desto besser. Es geht nicht darum, Corona zu verharmlosen oder für beendet zu erklären. Im Gegenteil: Das Virus wird uns wahrscheinlich noch eine ganze Zeitlang begleiten.

Gleichzeitig haben wir eine starke Botschaft: Wir schauen nach vorne. Wenn wir mit der gemeinnützigen Initiative (gemeinnütziger Verein i. Gr., Anm. d. Red.) einen kleinen Beitrag leisten, dass der Abschwung nur etwas milder, der Aufschwung etwas schneller verläuft, dann freuen wir uns. Und wenn andere Unternehmen, Einzelkämpfer, Institutionen oder Privatpersonen sich beteiligen und darauf aufspringen: Dann freuen wir uns umso mehr.